Saudi-Arabiens Mode Erstürmt Laufstege im Sturm

In Saudi-Arabien etablieren Designer und Fashion-Freunde ihr Geschäft auf globaler Ebene und scheinen damit ein besonderes Licht auf das Königreich und seine aufstrebende Mode-Szene. Keine andere als Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz, die erste Chefredakteurin von Vogue Arabia, repräsentiert dabei besser diese neue Kultur- und Fashionevolution.

Für Prinzessin Deena, ist diese Entwicklung einer aufstrebenden saudischen Fashion-Szene, ganz selbstverständlich. Saudi-Araberinnen verfolgen aufmerksam Modetrends sowohl in ihrer Region, als auch weltweit. Trotz ihrer Faszination für Fashion jedoch, war die Stimme der saudischen Fashionikonen bisher zurückhaltend und die Prinzessin hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, dies durch das Magazin zu ändern.

„Während meiner Jugend gab es keine Vogue die meine Identität reflektierte, oder meinen Hintergrund, meine Region, meine Authentizität.“, erlärt die 42-jährige Mutter von 3 Kindern. „Für mich ist es daher etwas besonders Schönes, dies zu erleben.“

Die erste Ausgabe von Vogue Arabia erscheint dieses Frühjahr und stellt damit einen historischen Moment für die Fashion-Szene der Golfregion dar. Die Online-Version ging bereits im Oktober 2016 live. Dies war zudem das erste Mal, dass das Magazin nur mit einer digitalen Ausgabe startete. Nun ist das Magazin bereit, die Golfregion mit Stil in englischer und arabischer Sprache zu vertreten.

Für die Prinzessin stellt das Magazin zudem ein wichtiges Instrument zur Verbreitung von Fashion in der Golfregion dar. Ohne die große Anzahl an Fashion-Gurus aus der Region, die sich nach den neuesten Designs der europäischen Fashion-Designer sehnen, würden diese einen Großteil ihre Kuden verlieren.

“Araber sind der Grund, warum viele der Haute-Couture Häuser seit den späten 60ern bis heute im Geschäft sind. Aber niemand ist deren Beteiligung an der Kunst bewußt.” Die Prinzessin betont weiter: „Ich möchte darüber aufklären, dass wir bereits seit langem in dem Bereich aktiv sind und ich möchte verstehen, warum wir stets unterschätzt und immer nur als Menschen abgestempelt werden, die Geld ausgeben, um Geld auszugeben.“

Aufstrebende Mode-Talente Verbinden Tradition mit Moderne

Während Prinzessin Deena wohl einen der am bekanntesten Namen in der saudischen Fashion-Szene trägt, gibt es darüberhinaus keinen Mangel an weiteren talentierten Designern, die versuchen, sich einen Namen auf dem Mode-Markt zu machen. Eine dieser ambitionierten Talente ist Arwa Al Anmari, eine französisch-saudische Designerin, die das Königreich in der TV-Serie Fashion Star letztes Jahr vertreten hat. Für diejenigen, die mit Al Ammari’s Verwendung von Mustern und Farben des Mittleren Ostens vertraut sind, war es keine Überraschung, dass sie den Titel „Fashion Star Arabia“ gewonnen hat und sich damit gegen 11 andere Mitstreiter durchsetzte.

Mit zahlreichen zur Verfügung stehenden Ressourcen, finden sich saudische Designer nicht dazu begrenzt nur mit einer Art von Klientel zu arbeiten. Während einige weltweite Einflüße in ihre Arbeit mit aufnehmen, haben andere sich auf spezifisch saudi-arabische Elemente fokussiert – stylische Abayas und Kaftane sind da keine Ausnahme. Auch wenn die Mode selbst zurückhaltend und dezent ist, ist sie weit von trist und farblos.

Amal ben Hemd, Gründer von Umore Collections, hat ihre Leidenschaft für das Design von Abayas für ihre Familie und Freunde in einen Vollzeitjob gewandelt, als sie die Beliebtheit und Nachfrage für ihre vielseitigen und farbenfrohen Kollektionen erkannte.

“Meine Kollektionen weisen einen Mix aus traditionellen saudi-arabischen Elementen und modernen Stilen auf. Alles zu erforderlichen Preisen. Die Textilien kommen dabei aus verschiedenen Ländern, zu denen ich gereist bin. Ich versuche sie in einer Art und Weise zu kreieren, in der sie stylisch und modern sind und jeden Tag getragen werden können.“, so beschreibt Hemd ihre Kollektionen.

Kreatives Kapital

Die saudische Fashion-Industrie ist ohne Zweifel profitabel. Thomson Reuters nach, wird erwartet, dass muslimische Konsumenten 368 Billionen US-Dollar jährlich bis 2021 für Mode ausgeben werden. Derzeit Machen sie circa 11 Prozent des weltweiten Marktanteils für Fashion aus. Für die saudischen Designer jedoch, ist Geld nicht die einzige Motivation. Für sie geht es um die Möglichkeit ihre Arbeit einem breiten Publikum zugänglich machen zu können und sich in der Golfregion als Designer zu etablieren.

Während der weit verfolgten New York Fashion Week, schauen die Modemacher und jene, die Fashion weltweit beeinflussen, auf die andere Seite der Welt. In Dubai werden Models vom 16. – 20. Mai die Laufstege für die Arab Fashion Week erobern und hier unter anderem auch mit einer Reihe an saudi-arabischen Kreationen bezaubern.

Für Prinzessin Deena schließt sich damit der Kreis, in welchen sie mit nur wenigen anderen Frauen die Modewelt in den arabischen Staaten in die Hand nahm und ein kulturelles Phänomen startete. Mit der Arab Fashion Week wird ihre Arbeit nun auch mit dem Rest der Welt gefeiert.

„Es gibt hier soviel Potential, auch international.“, erklärt Prinzessin Deena. „Es gibt Millionenen von Frauen, die sich dezent bekleiden und dennoch Mode lieben.“